Titelbild - Was gerade an der Warschauer Straße passiert, geht dich mehr an als du denkst

Was gerade an der Warschauer Straße passiert, geht dich mehr an als du denkst

Cassiopeia, Crack Bellmer, Weißer Hase – wer in Berlin lebt und ab und zu mal vor die Tür geht, kennt diese Läden. Jetzt ist am RAW-Gelände in Friedrichshain aber erst mal Schicht im Schacht. Der Eigentümer hat sechs Betrieben die Nutzung untersagt. Von heute auf morgen.

Der offizielle Grund ist der Brandschutz. Nach einem Brand in der Schweiz wurde genauer hingeschaut. Das Ergebnis laut Eigentümer: Genehmigungen fehlen, der Brandschutz reicht nicht aus. Die Betreiber sagen das Gegenteil. Es ist das klassische Berliner Drama zwischen Kiez-Kultur und Immobilien-Interessen. Ich kenne das Gelände noch aus einer Zeit, als da wirklich nur verrostete Gleise lagen. Dass es sich verändert, war klar. Aber wie es gerade passiert, ist bitter.

Die Clubs sitzen jetzt zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite der Bezirk, auf der anderen der Investor. Und mittendrin Menschen, deren Existenz gerade wegbricht. Sie werden als Druckmittel benutzt, um einen Bebauungsplan durchzudrücken. Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist ein Machtkampf auf dem Rücken von Kleingewerbetreibenden.

Wie häufig ich „ich brauche keine Versicherung“ schon gehört habe, kann ich gar nicht mehr aufzählen. Was viele dabei vergessen: Man kann selbst so vorsichtig sein wie man will – aber man hat keinen Einfluss darauf, dass andere genauso handeln. Das Risiko bleibt. Immer. Am RAW-Gelände ist das Risiko eben die politische und rechtliche Großwetterlage. Wenn der Eigentümer die Tür abschließt, hilft dir kein gutes Zureden mehr.

Ich berate viele Selbstständige in Berlin und Brandenburg. Viele denken bei Absicherung nur an den klassischen Rohrbruch oder Einbruch. Aber was ist mit dem rechtlichen Risiko? Wenn dein Mietvertrag plötzlich nichts mehr wert ist oder du in einen Streit zwischen Ämtern und Eigentümern gerätst? Ohne eine solide Gewerbeversicherung, die auch rechtlichen Beistand abdeckt, bist du in so einem Moment erledigt. Die Anwaltskosten fressen dich auf, noch bevor der erste Richter den Hammer schwingt.

Wer ein Business führt, egal ob Club, Handwerksbetrieb oder Agentur, muss sich klarmachen: Verträge sind nur so viel wert wie deine Möglichkeit, sie auch durchzusetzen. Wenn das Kind erst mal in den Brunnen gefallen ist – oder in diesem Fall der Laden dicht ist – ist es für eine Absicherung zu spät. Dann kann ich am Telefon auch nur noch sagen, dass mir die Hände gebunden sind.

Es geht nicht darum, den Teufel an die Wand zu malen. Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben, wenn es knallt. Egal ob an der Warschauer Straße oder im Gewerbegebiet in Cottbus.

Mein Impuls für dich: Prüfe deine Gewerbeverträge nicht erst, wenn der Brief vom Anwalt kommt. Wer kein Polster für Rechtsstreitigkeiten hat, verliert gegen die Großen immer.

Passt das auf deine Situation?

15 Minuten reichen oft – ich sag dir ehrlich, ob du gut aufgestellt bist oder nicht.

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Quelle: RBB24 Politik | Bild: Foto von Felix Mittermeier auf Pexels